WeltWeit… Unterwegs 2014

DSC_0421 KopieForm und Geist

An diesem frühen Abend geht es im JUNIPARK um Wohnutopien jenseits der Angst. Kinder träumen. WELTWEIT… UNTERWEGS heißt eine musikalische Installationsperformance mit Schülerinnen und Schülern der 4., 5. und 6. Klasse der Nürtingen-Grundschule (Kreuzberg), unter der Künstlerischen Leitung von Anja Scheffer, Dascha Kornysheva und DJ B.Side. Eltern, Lehrer, Nachbarn, Mitschüler und Mitschülerinnen sind zur Vorstellung gekommen. Die Tribüne ist voll.

Fein gemacht, die Mädchen in eleganten Kleidern, die Jungs mit Krawatte und Anzug, beschreiben sie utopische Wohninstallationen. Sie lassen sich nicht davon abschrecken, dass Nischen in Berlin verschwinden. Wieso nicht den Himmel erobern und einen Luftdom bauen, der kein Grundbuchamt braucht. Sie wissen auch eine Antwort darauf, dass „Berlin eine Metropole im Umbruch ist“. Dafür haben sie ein Haus erfunden, das laufen kann. Von einem Ort zum anderen, dahin, wo es gerade sicher ist, trocken und hell. Und jammern auch nicht, dass Wohnraum knapp und zu teuer geworden ist. Sie singen uns lieber vor, wie man damit umgeht:

„Du brauchst weder Abitur, noch eine gute Figur

sondern Planen, Nägel und dazu eine Schnur.

Die Schnur wird gespannt, darüber die Plane.

Das Zelt ist schon fertig, es ist keine Schikane.

Jetzt ist es fertig, dein mobiles Zelt,

jetzt kannst du wohnen wo`s dir am besten gefällt.“

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Dass in ihr tanzendes Zelt auch viele Leute hinein passen überprüfen sie noch einmal mit Freiwilligen aus dem Publikum. Mit Ironie, Chuzpe und dem Mut, sich selbst und alles andere auch in Frage zu stellen, sind sie mit vollem Ernst bei der Sache. Mitten drin. Sie präsentieren uns ihre Bauanleitungen im Höchstgeschwindigkeitssprechtempo. Verweisen auf das Material, das nicht nur die Form bestimmt, sondern auch den Geist ihrer Werke: Sie beleben die Dinge wieder. Verwenden Stoffe, die schon ein Vorleben hatten. Schlagen für die Einrichtung ihrer Häuser lieber Vorhänge vor, „da kann jeder vorbei kommen“, als Türen, weil die immer jemanden ein- oder ausschließen können. Ausgesprochen gestaltungsfreudig, plädieren sie in diesem Sinne selbstständig eigeninitiativ zu werden, in kritischer Auseinandersetzung ihrer finanziellen Möglichkeiten. Sie alle arbeiten unter der Devise: „Schnelles Bauen im Taschengeldformat.“ Und so heißt es in ihrem Lied:

“Komm und sei mit uns mal kreativ

denn die Welt ist nicht nur negativ

Wir suchen Plätze wie ein Detektiv

Und bauen Häuser fast zum Null Tarif

Kabelbinder in der Tasche

Und man achte aufs Design

Wie der Phoenix aus der Asche

entsteht ein Haus zum glücklich sein”

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Aber hier wird sowieso klar: persönliches Engagement ist nicht käuflich. Spielplatz und Lebenstraum. Wirklich zur Sache geht es allerdings auf dem dann folgenden Kongress, mit dem Titel: „Baulücken aufspüren und professionell nutzen“. Die Versammlung ist mit hochrangigen Spezialisten besetzt: eine Sauber-Fachfrau, die gerne aufräumt, eine Expertin für Menschen mit Höhenangst, ein Improvisationsfachmann im Styroporbau, ein Professor, spezialisiert auf das Bauen in Ballonen und Zeppelinen, weil der Himmel ja noch frei ist. Selbst ein Hausmeister, der früher Architekt war, ist eingeladen. Er verjagt Maulwürfe, um unterirdische Baulücken zu schaffen. Nebenbei betreibt er inzwischen ein Maulwurfspätzlerestaurant in München.

Iiiii, das klingt eklig und bissig zugleich. Dennoch, erlebe ich an diesem Abend Expertinnen und Experten von denen es mehr braucht. Nicht, weil ihre Wohnungsbauideen tatsächlich umzusetzen wären, aber weil sie uns träumen lassen: Life can be so simple. Das tut gut. Und der Chor singt es uns noch einmal vor:

„Kinder dürfen nicht verschwinden

Nein wir nisten uns hier ein

Alle Grenzen überwinden

Einfach selber tätig sein.“

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An das Publikum ergeht zum Schluss die Aufforderung eigene Visionen zu entwickeln und nicht jeden Gedanken sofort in richtig oder falsch einzusortieren. Als kreative Hilfestellung gibt es ironischerweise einen Musterhauskatalog. Dazu, in das Gerüst hineingebaut, findet man weitere zwei Musterhäuser zur Ansicht. Um uns Erwachsenen auf die Sprünge helfen. Das stimmt mich zuversichtlich. Die jungen Berliner haben Fantasien und wir, das Publikum, sind begeistert. Ich sehe lauter hoffnungsfrohe Gesichter. Und ja, es stimmt: die Welt ist nicht nur negativ, auch in diesen weltweit politisch so besorgniserregenden Zeiten. Fantasie tut allen gut.

Text: Antonia Weisz, Stadtschreiberin für den Junipark

http://junipark.wordpress.com

Und hier noch der Song aus WeltWeit… Unterwegs zum Downloaden:

https://soundcloud.com/dj-b-side-berlin/die-spezialisten

Und los geht es mit dem Baulücken aufspüren und professionell nutzen!

DANKE DANKE DANKE!!!

Liebe Kinder, Eltern, Freunde, Mitstreiter,
vielen Dank für die Unterstützung und Wahrnehmung in den drei Wochen von WeltWeit… Neu!
Wir sind sehr stolz auf das Projekt und vor allem auf die Kinder, die hier gewirkt haben mit vollem Elan.
Es gab auch Presse:
Tagesspiegel:
http://m.tagesspiegel.de/berlin/projekt-an-kreuzberger-grundschule-sie-machen-sich-die-welt-wie-sie-ihnen-gefaellt/9952570.html

TAZ:
Wir freuen uns!
Nun geht WeltWeit zum WohnWut-Projekt in den Junipark.
Mit einem neuen Gesicht:
WeltWeit… Unterwegs
Im JUNIPARK, einem vierwöchigen Open-Air-Projekt zur Lebens- und Wohnsituation junger Menschen in Berlin, bauen, bespielen und bewohnen die Schülerinnen und Schüler der Nürtingen-Grundschule utopische Wohninstallationen. Der JUNIPARK findet vom 3.-29.6. auf dem ehemaligen St. Thomas-Kirchhof in Neukölln statt und wird vom Internationalen JugendKunst- und Kulturhaus Schlesische27 veranstaltet.

WeltWeit… Unterwegs wird präsentiert am

Freitag, den 13. Juni um 13h
Freitag, den 13. Juni um  18h
Donnerstag, den 19. Juni um 18h

Infos zum Junipark:
Spielplan:
Und wer dann noch immer nicht genug von WeltWeit.. Unterwegs hat, ist noch mal eingeladen zum Bauworkshop mit Anja und Dascha und Musikworkshop mit DJ B.Side am
Sonntag, den 22. und Sonntag, den 29. Juni ab 14h. Da werden dann auch die restlichen Baumaterialien verbaut 🙂